20.10.2026
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Data & AI
Enterprise Service Management

KI gezielt steuern: Warum Unternehmen jetzt ein AI Management System (AIMS) brauchen

Wird in Ihrem Unternehmen bereits KI genutzt? Vielleicht sogar häufiger, als Sie denken?  Nicht unbedingt offiziell. Nicht zwingend dokumentiert. Vielleicht nicht einmal strategisch geplant. Irgendwo schreibt ein Team mit ChatGPT Konzepte oder nutzt Gemini für Recherche und Wissensarbeit, jemand hat ein Reporting über KI automatisiert, ein Fachbereich testet einen Assistenten für Kundenanfragen, ein anderer hat einen Prototypen auf Basis von KI gebaut, der erstaunlich gut funktioniert. 

Ihre KI-Transformation ist möglicherweise schon weiter, als Sie denken – auch ohne, dass Sie davon Notiz nehmen. Während Sie dies also lesen, wird in Ihrem Unternehmen bereits KI genutzt. Fragt sich nur, ob Sie in der Fahrerkabine sitzen oder am Bahnhof stehen und dem abfahrenden Zug hinterherwinken.

Leonie Knöppel
ITSM-Beraterin

Key Takeaways

  • Transparenz ist die Basis wirksamer KI-Governance.
  • Ein AIMS verbindet Strategie, Prozesse und Verantwortlichkeiten.
  • Governance und Business Value gehören zusammen.
  • Tools unterstützen KI-Governance, ersetzen aber kein Managementsystem.

Die eigentliche Herausforderung: fehlender Überblick über KI

Viele Unternehmen beschäftigen sich aktuell mit der Frage, wie sie KI erfolgreich einführen können. Und das aus gutem Grund: Das Potenzial für mehr Effizienz und Produktivität bei gleichbleibendem Personaldeckel ist in Zeiten des Fachkräftemangels enorm. 

Trotzdem entsteht KI selten als strategisches Großprojekt. Sie entwickelt sich dort, wo Menschen nach einfacheren Wegen suchen, ihre Arbeit zu erledigen. Und das meist schneller, als Spielregeln für KI definiert werden können. 

Der Moment der Wahrheit kommt meist erst dann, wenn die Geschäftsführung nach dem Nutzen fragt, eine Freigabe aufgrund von Datenschutzanforderungen notwendig wird oder ein Kunde wissen möchte, welche KI-Systeme für sein Projekt eingesetzt werden. 

Wissen wir, welche KI in unserem Unternehmen genutzt wird?

Viele Unternehmen können diese Frage nicht beantworten. Dabei wächst der Handlungsdruck aufgrund von regulatorischen Anforderungen durch den EU AI Act und verschiebt die Verantwortung hinsichtlich KI endgültig vom Spielplatz zum Management.

Ein wesentliches Risiko liegt deshalb nicht allein in der Technologie selbst, sondern in der fehlenden Transparenz. KI kann beherrschbar sein – Schatten-KI nicht.

KI-Governance braucht mehr als ein Tool

Viele Organisationen reagieren auf diese Situation reflexartig mit einer naheliegenden Idee: „Wir brauchen ein Tool.“  Natürlich kann ein Tool kurzfristig helfen. Dashboards, Workflows, Audit-Trails oder Reportings schaffen Transparenz, Übersicht und vermeintliche regulatorische Sicherheit. Aber ein Tool ist noch kein Managementsystem.

Auch ein Zug erreicht sein Ziel nicht allein durch seine technische Leistungsfähigkeit. Entscheidend sind klare Fahrpläne, definierte Zuständigkeiten und funktionierende Abläufe. Bei KI ist es nicht anders. Software kann Governance unterstützen, ersetzt aber keine klaren Entscheidungen, Rollen, Prozesse und Verantwortlichkeiten.

Warum ein AI Management System (AIMS) genau hier ansetzt

Es beantwortet nicht die Frage, welches KI-Tool als Nächstes gekauft werden soll. Es beantwortet die Frage, wie KI so gesteuert wird, dass Wert entsteht, Risiken beherrschbar bleiben und Verantwortung nachvollziehbar ist.

Dabei geht es nicht nur um Governance und Compliance. Ein AIMS schafft auch die Grundlage dafür, KI-Investitionen gezielter zu steuern: Welche Anwendungen zahlen tatsächlich auf die Unternehmensziele ein? Wo entsteht messbarer Mehrwert? Und welche Lösungen sollten skaliert, angepasst oder gegebenenfalls eingestellt werden? Governance und Business Value gehören deshalb zusammen.

Denn KI scheitert heute selten an der Technologie. Leistungsfähige Modelle, Plattformen und Agenten stehen längst bereit. Die größere Herausforderung liegt in der Organisation. 

Versuchen Sie einmal, diese Fragen für Ihr Unternehmen zu beantworten: 

  • Wissen wir, wo KI heute bereits eingesetzt wird? 
  • Verstehen wir, welchen Geschäftswert sie erzeugt? 
  • Kennen wir die damit verbundenen Risiken und Pflichten? 
  • Können wir unseren Daten vertrauen? 
  • Ist klar geregelt, wer die Verantwortung trägt? 

Wenn Sie mehrere dieser Fragen nicht sicher beantworten können, fehlt häufig nicht die Technologie, sondern ein strukturierter Rahmen für den Umgang mit KI. 

Wer jetzt ein wirksames AI Management System auf Basis bzw. unter Berücksichtigung der ISO/IEC 42001 aufbaut, schafft nicht nur Transparenz, sondern auch klare Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege, einen systematischen Umgang mit Risiken und regulatorischen Anforderungen sowie eine belastbare Grundlage für Investitions- und Skalierungsentscheidungen.

So wird KI-Governance nicht zum Bremsklotz für Innovation, sondern zur Voraussetzung dafür, erfolgreiche KI-Anwendungen sicher und kontrolliert in die Breite zu bringen. Die Zukunft gehört nicht den Unternehmen, die KI als Erstes einsetzen, sondern denen, die verstehen, was sie bereits einsetzen. Wenn Ihre KI-Landschaft schneller wächst als der Überblick darüber, gilt es, wieder in die Fahrerkabine zu wechseln und die Reise aktiv zu steuern.

Leonie Knöppel
ITSM-Beraterin

Leonie Knöppel arbeitet als ITSM-Beraterin bei Materna und besitzt fundierte Expertise in den Bereichen IT-Service-Management, Anforderungsmanagement und agiles Projektmanagement. Sie unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung effizienter Prozesse an der Schnittstelle von Mensch und Technologie.