31.03.2026
Blog
Enterprise Service Management

Business Continuity Management in der Praxis: Handlungsfähig bleiben im Störungsfall

Unternehmen investieren viel Zeit in Strategien, Prozesse und IT-Systeme. Doch was passiert, wenn plötzlich ein zentraler Standort ausfällt, eine kritische Anwendung nicht mehr erreichbar ist oder eine Lieferkette unterbrochen wird? Genau für solche Situationen ist Business Continuity Management (BCM) gedacht. 

Im ersten Teil unserer Blogserie haben wir gezeigt, warum Zusammenarbeit ein entscheidender Erfolgsfaktor für ein funktionierendes BCM ist. In diesem Beitrag geht es einen Schritt weiter: Wie lassen sich BCM-Prozesse in der Praxis umsetzen – und wie können digitale Plattformen Unternehmen dabei unterstützen?

Yesim Bagci-Koc
Atlassian Consultant
Lea Calmano
Teamleiterin Cyber Security Consulting

Key Takeaways

  • BCM sichert Handlungsfähigkeit: Klare Prozesse und Notfallpläne helfen, Störungen schnell zu bewältigen.
  • Die BIA setzt Prioritäten: Sie zeigt, welche Geschäftsprozesse besonders kritisch sind.
  • Digitale Plattformen unterstützen: Sie vernetzen Dokumentation, Aufgaben und Zusammenarbeit.

Wenn der Ernstfall eintritt 

Störungen treten selten planbar auf. Ein technischer Defekt, ein Naturereignis oder infrastrukturelle Schäden können Geschäftsprozesse abrupt unterbrechen. Ein einfaches Beispiel: Das Dach eines zentralen Lagerstandorts stürzt ein. Was zunächst wie ein lokales Problem wirkt, kann schnell weitreichende Folgen haben. Versandprozesse stehen still, Liefertermine können nicht eingehalten werden, Produktionsabläufe geraten ins Stocken. 

Damit Unternehmen in solchen Situationen handlungsfähig bleiben, braucht es klare Strukturen. Genau hier setzt Business Continuity Management an: Risiken werden analysiert, kritische Geschäftsprozesse identifiziert und konkrete Notfallpläne vorbereitet. 

Business Impact Analyse: Die Grundlage für BCM-Entscheidungen 

Ein zentraler Baustein im Business Continuity Managment ist die Business Impact Analyse (BIA). Sie beantwortet die Frage, welche Auswirkungen der Ausfall eines bestimmten Prozesses oder Systems auf das Unternehmen hätte. Dabei geht es nicht nur um technische Aspekte. Auch finanzielle Schäden, rechtliche Konsequenzen oder mögliche Reputationsverluste werden berücksichtigt. Gleichzeitig definieren Unternehmen, wie lange ein Service maximal ausfallen darf und innerhalb welcher Zeit er wiederhergestellt werden muss. 

Diese Informationen sind entscheidend, um Prioritäten im Krisenfall festzulegen. Denn nicht jeder Prozess ist gleichermaßen kritisch – und nicht jede Störung erfordert die gleiche Reaktion. 

Risiken erkennen und Vorsorgemaßnahmen definieren 

Auf die Business Impact Analyse folgt in der Regel eine Risikoanalyse. Hier wird untersucht, welche Bedrohungen tatsächlich zu einem Ausfall führen könnten. In vielen Organisationen zeigt sich dabei ein typisches Muster: zentrale Abhängigkeiten. Wenn beispielsweise nur ein einziger Standort oder ein einzelnes System einen geschäftskritischen Prozess unterstützt, entsteht ein sogenannter Single Point of Failure. 

Die Aufgabe des Business Continuity Managements besteht darin, solche Risiken sichtbar zu machen und geeignete Vorsorgemaßnahmen zu definieren. Dazu gehören organisatorische Regelungen ebenso wie technische Lösungen oder alternative Abläufe. 

Notfallpläne: Klare Abläufe für den Krisenfall 

Kommt es tatsächlich zu einer Störung, greifen vorbereitete Notfallpläne. Sie beschreiben, welche Maßnahmen unmittelbar eingeleitet werden müssen, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Unternehmen unterscheiden dabei häufig zwischen kurzfristigen Wiederanlaufschritten und Maßnahmen zur vollständigen Wiederherstellung des Normalbetriebs. Entscheidend ist, dass Verantwortlichkeiten klar definiert sind und alle Beteiligten wissen, welche Aufgaben sie übernehmen müssen. Gerade in Stresssituationen ist eine klare Struktur entscheidend. Wenn Abläufe bereits vorbereitet und dokumentiert sind, lassen sich Entscheidungen deutlich schneller treffen. 

Digitale Plattformen unterstützen moderne BCM-Prozesse 

In vielen Unternehmen existieren BCM-Dokumentationen zwar – allerdings verteilt auf verschiedene Systeme, Dokumente oder Abteilungen. Das erschwert nicht nur die Pflege der Inhalte, sondern auch die Zusammenarbeit im Krisenfall. Digitale Plattformen können hier helfen, Informationen zusammenzuführen und Prozesse transparenter zu gestalten. Analysen, Notfallpläne und Aufgaben lassen sich miteinander verknüpfen, sodass Verantwortliche automatisch informiert werden, wenn Maßnahmen erforderlich sind oder Inhalte überprüft werden müssen. 

Ein Beispiel dafür sind Plattformlösungen aus dem Umfeld des Enterprise Service Management. Im Atlassian-Ökosystem etwa lassen sich Wissensplattformen wie Confluence mit Service-Management-Lösungen wie Jira Service Management kombinieren. So können BCM-Dokumentation, operative Aufgaben und Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Kontext zusammengeführt werden. 

Business Continuity Management als kontinuierlicher Prozess 

Business Continuity Management endet nicht mit der Erstellung eines Notfallplans. Prozesse müssen regelmäßig überprüft, getestet und an neue Risiken angepasst werden. Digitale Unterstützung kann diesen Prozess erheblich erleichtern. Sie sorgt für Transparenz, vereinfacht die Zusammenarbeit zwischen Teams und hilft dabei, Wissen strukturiert verfügbar zu machen. 

Letztlich bleibt BCM jedoch eine organisatorische Aufgabe. Technologie kann unterstützen – entscheidend ist jedoch, dass Prozesse klar definiert sind und alle Beteiligten ihre Rolle kennen. Denn genau darauf kommt es im Ernstfall an: handlungsfähig zu bleiben. 

Erfahren Sie mehr zu diesem Thema in unserem Webcast

Yesim Bagci-Koc
Atlassian Consultant

Yesim Bagci-Koc ist Atlassian Consultant bei Materna.

Lea Calmano
Teamleiterin Cyber Security Consulting

Seit über fünf Jahren ist Lea Calmano als Beraterin im Bereich Cyber Security tätig, mit einem besonderen Fokus auf Compliance und Governance. Bei Materna ist sie Teamleiterin Cyber Security Consulting. Mit fundiertem Wissen und umfangreicher Erfahrung in den Bereichen Informationssicherheitsmanagementsysteme (ISMS) und Business Continuity Management (BCM) unterstützt sie Unternehmen dabei, ihre Sicherheitsstrategien zu optimieren und regulatorische Anforderungen zu erfüllen.