13.10.2026
Blog
Cyber Security

Cyber Resilience: So werden Organisationen in Zeiten von NIS2 und Cyberangriffen widerstandsfähiger

Cyberangriffe, geopolitische Spannungen, hybride Bedrohungen und neue regulatorische Anforderungen verändern die Rahmenbedingungen für Organisationen grundlegend. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von digitalen Diensten, Daten und vernetzten Prozessen. Fällt ein kritischer Service aus, betrifft das häufig weit mehr als einzelne IT-Systeme. Geschäftsprozesse kommen zum Erliegen, Verwaltungsleistungen stehen nicht mehr zur Verfügung oder wichtige Versorgungsleistungen werden eingeschränkt.

Heike Abels
Referentin für Unternehmenskommunikation

Key Takeaways

  • Cyber Resilience bedeutet mehr als Schutz vor Angriffen. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, kritische Leistungen auch unter schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten.
  • Resilienz betrifft Unternehmen, öffentliche Verwaltungen, Hochschulen und Betreiber kritischer Infrastrukturen gleichermaßen.
  • Governance, technische Resilienz sowie Monitoring und kontinuierliche Verbesserung bilden gemeinsam das Fundament einer resilienten Organisation.
  • Cyber Resilience ist keine IT-Aufgabe, sondern eine Management-Aufgabe. 

Cyber Resilience – Sicherheit allein reicht nicht mehr aus 

Lange stand deshalb vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie sich Risiken verhindern lassen. Doch die Realität zeigt: Weder Cyberangriffe noch technische Störungen oder menschliche Fehler lassen sich vollständig ausschließen. Entscheidend ist heute nicht mehr allein, wie gut Angriffe abgewehrt werden können. Ausschlaggebend ist vielmehr, wie Organisationen auf Störungen reagieren, ihre kritischen Leistungen aufrechterhalten und möglichst schnell wieder handlungsfähig werden. 

Genau darum geht es bei Cyber Resilience. Cyber Resilience erweitert den Blick auf Sicherheit. Ziel ist nicht nur der Schutz vor Bedrohungen, sondern die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen verlässlich zu funktionieren. Für Unternehmen bedeutet das die Aufrechterhaltung zentraler Geschäftsprozesse. Für Verwaltungen geht es darum, wichtige Leistungen für Bürgerinnen und Bürger weiterhin bereitzustellen. Betreiber kritischer Infrastrukturen wiederum müssen sicherstellen, dass essenzielle Versorgungsleistungen auch im Krisenfall verfügbar bleiben. 

Resilienz wird zur Führungsaufgabe 

Mit der zunehmenden Digitalisierung steigen nicht nur die Risiken, sondern auch die Erwartungen an die Verantwortlichen. Regulierungen wie NIS2, DORA, das KRITIS-Dachgesetz oder der Cyber Resilience Act  machen deutlich, dass Cyber Resilience nicht länger als rein technische Disziplin betrachtet werden kann. Gefordert werden je nach regulatorischem Kontext organisatorische Maßnahmen, Risikomanagement, Business Continuity, Notfallmanagement, Krisenvorsorge und klare Verantwortlichkeiten auf Management-Ebene.  

Damit entsteht ein neuer Blick auf Sicherheit. Die zentrale Frage lautet nicht mehr ausschließlich, wie Systeme geschützt werden können. Viel wichtiger ist die Frage, welche Leistungen für die eigene Organisation kritisch sind und wie diese auch unter außergewöhnlichen Bedingungen erbracht werden können. 

Dieser Perspektivwechsel betrifft nahezu alle Branchen und Bereiche. Unternehmen müssen Lieferketten, Produktion und Dienstleistungen absichern. Öffentliche Verwaltungen müssen die Handlungsfähigkeit des Staates gewährleisten. Hochschulen, Gesundheitsorganisationen und Betreiber kritischer Infrastrukturen stehen vor vergleichbaren Herausforderungen. Cyber Resilience wird damit zur Querschnittsaufgabe, die Fachbereiche, Informationssicherheit, IT, Krisenorganisation und Führungsebene gleichermaßen betrifft.  

Von der Dokumentation zur Wirksamkeit 

Viele Organisationen haben bereits umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen etabliert. Sie haben Informationssicherheitsmanagementsysteme aufgebaut, Risikoanalysen durchgeführt, Notfallpläne und -maßnahmen erstellt und regulatorische Anforderungen umgesetzt. Dennoch zeigt die Praxis, dass zwischen Konzept und Realität häufig eine Lücke besteht.  

Ein erfolgreich absolviertes Audit bedeutet noch nicht automatisch, dass eine Organisation im Ernstfall resilient ist. Entscheidend ist, ob die vorgesehenen Prozesse tatsächlich funktionieren, ob Verantwortlichkeiten klar geregelt sind und ob kritische Leistungen auch unter Belastung weiter erbracht werden können. Mit anderen Worten: Resilienz entsteht nicht auf dem Papier, sondern im laufenden Betrieb.  

Deshalb verschiebt sich der Fokus zunehmend von der reinen Compliance auf die nachweisbare Wirksamkeit. Organisationen müssen verstehen, welche Abhängigkeiten bestehen, welche Risiken den größten Einfluss auf ihre Handlungsfähigkeit haben und welche Maßnahmen den größten Beitrag zur Widerstandsfähigkeit leisten. 

Die Bausteine einer resilienten Organisation 

Cyber Resilience entsteht nicht durch eine einzelne Technologie oder ein einzelnes Projekt. Sie entwickelt sich aus dem Zusammenspiel organisatorischer, technischer und operativer Maßnahmen. Bei Materna verstehen wir Cyber Resilience Management deshalb als ganzheitlichen Ansatz, der diese Ebenen miteinander verbindet.  

  1. Den Ausgangspunkt bilden Governance, Informationssicherheit und Compliance. Klare Verantwortlichkeiten, ein wirksames ISMS, Risiko- und Gap-Analysen sowie ein gemeinsames Verständnis der kritischen Leistungen schaffen die organisatorische Grundlage. Hier werden Prioritäten gesetzt und die strategische Richtung festgelegt.  

  2. Darauf baut die technische Resilienz auf. Sie umfasst resiliente Architekturen, Identitäts- und Zugriffsmanagement, sichere Cloud- und Plattformkonzepte sowie Maßnahmen zum Schutz kritischer Systeme. Ziel ist es, Risiken zu reduzieren und Auswirkungen von Störungen oder Angriffen zu begrenzen.  

  3. Gleichzeitig braucht es Transparenz über die eigene Sicherheitslage. Monitoring, Lagebilder, Incident Response, Tests und Übungen helfen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen, fundierte Entscheidungen zu treffen und die Wirksamkeit bestehender Maßnahmen kontinuierlich zu überprüfen. Resilienz ist kein Zustand, der einmal erreicht wird. Sie muss dauerhaft weiterentwickelt werden.  

Der Weg zur resilienten Organisation 

So viel zur Theorie. Doch wie machen sich Unternehmen und Behörden auf den Weg zur resilienten Organisation? 

Der Aufbau von Cyber Resilience beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: 

  • Welche Leistungen sind für die eigene Organisation unverzichtbar? 

  • Welche Risiken bedrohen die Handlungsfähigkeit? 

  • Welche regulatorischen Anforderungen müssen erfüllt werden? 

  • Und wie gut ist die Organisation darauf vorbereitet, auch unter schwierigen Bedingungen weiterzuarbeiten?  

Aus diesen Antworten entsteht eine Roadmap. Sie reicht von Governance und Risikomanagement über Business Continuity Management, Notfallmanagement und technische Schutzmaßnahmen bis hin zu Monitoring, Incident Response und kontinuierlicher Verbesserung. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei nicht die Anzahl einzelner Maßnahmen, sondern ihr Zusammenspiel.  

Genau diesen Weg betrachten wir in dieser Blogreihe genauer. Wir zeigen, wie Organisationen Cyber Resilience schrittweise aufbauen können, warum Governance und Business Continuity Management dabei eine zentrale Rolle spielen und welche Bedeutung Themen wie Monitoring, Zero Trust, Identity Security oder Security by Design für die langfristige Widerstandsfähigkeit haben. Denn Resilienz entsteht nicht erst im Krisenfall. Sie wird lange vorher aufgebaut. 

 

Weitere Informationen 

Cyber Resilience Management 

Heike Abels
Referentin für Unternehmenskommunikation

Heike Abels arbeitet bei Materna als Referentin für Unternehmenskommunikation. Sie betreut redaktionell verschiedene Formate für die externe Kommunikation. Thematischer Schwerpunkt ist der Bereich Cross Market Services. Dazu zählen Enterprise Service Management, Customer Service und Cyber Security.