Warum digitale Souveränität die Cloud-Strategie verändert
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Cloud-Angebote sind heute aus der Unternehmens-IT kaum noch wegzudenken. Sie ermöglichen flexible Betriebsmodelle, beschleunigen Innovationen und schaffen die Grundlage für den Einsatz neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig wächst jedoch das Bewusstsein dafür, dass nicht jede Anwendung die gleichen Anforderungen an Datenhaltung, Datenverarbeitung und Kontrolle erfüllt.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der aktuellen Lünendonk-Studie „Digitale Souveränität – Vom Risiko zur Resilienz“ wider, die digitale Souveränität als einen wesentlichen Erfolgsfaktor für resiliente und zukunftsfähige Cloud-Strategien einordnet. Besonders deutlich wird dieser Wandel bei Service-Management-Plattformen. Sie bilden das zentrale Nervensystem moderner Organisationen und steuern zahlreiche geschäftskritische Prozesse – von der Bearbeitung von Störungen und Serviceanfragen bis hin zum Management von IT-Assets, Workflows und unternehmensweiten Serviceprozessen.
Während ITSM klassische IT-Prozesse unterstützt, erweitert Enterprise Service Management diese Prinzipien auf Fachbereiche wie Human Resources, Finance, Einkauf, Legal, Produktion (OTSM) oder Facility Management. Damit werden zunehmend sensible Geschäftsprozesse auf einer gemeinsamen Plattform abgebildet und die Anforderungen an Sicherheit, Verfügbarkeit und Compliance steigen entsprechend.
Von der Cloud-Frage zur Souveränitätsfrage
Lange Zeit stand bei Cloud-Projekten vor allem die Frage im Vordergrund, wie sich IT-Infrastrukturen effizienter und kostengünstiger betreiben lassen. Heute stellen viele Organisationen eine weitere Frage: Wo werden meine Daten verarbeitet, wer hat Zugriff darauf und welche regulatorischen Anforderungen müssen erfüllt werden?
Treiber dieser Entwicklung sind unter anderem die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), branchenspezifische Regulierungen sowie neue Anforderungen an die digitale Souveränität. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen möchten die Vorteile moderner Cloud-Plattformen nutzen, gleichzeitig aber die Kontrolle über geschäftskritische Daten und Prozesse behalten. Gerade in regulierten Branchen wie dem Finanzwesen, Versicherungen, Gesundheitswesen oder der öffentlicher Verwaltung ist dies inzwischen ein wesentlicher Bestandteil jeder Cloud-Strategie.
Mit der Ausweitung von ITSM zu ESM betrifft diese Fragestellung inzwischen nahezu alle Unternehmensbereiche. Denn neben technischen Informationen werden auch personenbezogene Daten, Vertragsinformationen, Beschaffungsprozesse oder interne Genehmigungsabläufe über zentrale Service-Plattformen abgewickelt.
Warum IT- und Enterprise-Service-Management besonders sensibel sind
Service-Management-Lösungen enthalten weit mehr als Ticketdaten. Häufig bilden sie die gesamte Service-Landschaft eines Unternehmens ab und enthalten Informationen über:
- IT-Assets und Konfigurationen
- Infrastruktur- und Netzwerkstrukturen
- Berechtigungen und Verantwortlichkeiten
- Service-Abhängigkeiten
- Schwachstellen- und Compliance-Informationen
- HR- und Personaldaten
- Einkaufs-, Vertrags- und Genehmigungsprozesse
- Informationen aus Finance-, Facility-, Produktions- oder Legal-Services
Diese Informationen sind essenziell für den sicheren Betrieb der gesamten Organisation. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Verfügbarkeit, Integrität und Schutz der Daten. Gleichzeitig entwickeln sich die Plattformen technologisch rasant weiter. Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Self-Service-Angebote schaffen neue Möglichkeiten, Prozesse effizienter zu gestalten und Support-Organisationen sowie Fachbereiche zu entlasten. Für Unternehmen entsteht daraus ein Spannungsfeld: Wie lassen sich Innovation und regulatorische Anforderungen miteinander verbinden?
Cloud-Souveränität praktisch umsetzen
Cloud-Souveränität bedeutet nicht zwangsläufig, auf moderne SaaS-Lösungen oder Innovationen zu verzichten. Vielmehr geht es darum, die Rahmenbedingungen für Betrieb, Datenhaltung und Support bewusst zu gestalten.
Wichtige Fragen sind beispielsweise:
- Wo befinden sich die Rechenzentren?
- Wer betreibt die Plattform?
- Welche Personen und Organisationen haben Zugriff auf die Daten?
- Wie werden Compliance-Anforderungen nachgewiesen?
- Welche Möglichkeiten bestehen bei einem Anbieterwechsel?
- Wie lassen sich unterschiedliche Schutzbedarfe einzelner Fachbereiche innerhalb einer gemeinsamen ESM-Plattform umsetzen?
Neben etablierten Standards wie ISO 27001 oder dem BSI-C5-Katalog gewinnen neue Bewertungsmodelle für digitale Souveränität zunehmend an Bedeutung. Hierzu zählen unter anderem die Criteria enabling Cloud Computing Autonomy (BSI C3A), die gezielt Anforderungen an souveräne Cloud-Nutzung definieren, sowie das EU SEAL-Framework, das europaweite Kriterien für vertrauenswürdige digitale Dienste etabliert. Diese Modelle unterstützen Unternehmen dabei, Cloud-Angebote nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch und organisatorisch ganzheitlich zu bewerten.
Ganzheitlicher Blick auf Technologie, Betrieb und Compliance
Die Erfahrung aus zahlreichen Transformationsprojekten zeigt: Der Erfolg einer Service-Management-Plattform hängt nicht allein von der eingesetzten Software ab. Ebenso wichtig sind Fragen des Betriebsmodells, der Governance und der organisatorischen Einbettung. Dazu gehören unter anderem:
- sichere Betriebsprozesse
- Schwachstellen- und Patchmanagement
- Monitoring und Incident Management
- Disaster-Recovery-Konzepte
- dokumentierte Compliance-Prozesse
- transparente Service-Level und Verantwortlichkeiten
- Governance für unternehmensweite ESM-Prozesse über verschiedene Fachbereiche hinweg
Gerade bei Enterprise-Service-Management-Projekten gewinnt eine konsistente Governance zusätzlich an Bedeutung. Unterschiedliche Fachbereiche arbeiten auf einer gemeinsamen Plattform, unterliegen jedoch oftmals unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen und Schutzbedarfen. Ein souveränes Betriebsmodell schafft hier die notwendige Transparenz und Sicherheit.
Genau an dieser Schnittstelle unterstützt Materna Unternehmen bei der Modernisierung ihrer Service-Management-Landschaften. Das Leistungsspektrum reicht von der Beratung und Konzeption über Migration und Implementierung bis hin zum Betrieb regulierter ITSM- und ESM-Plattformen. Dabei steht nicht die Technologie allein im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie sich moderne Cloud-Services mit den individuellen Anforderungen an Sicherheit, Compliance und digitale Souveränität verbinden lassen.
Digitale Souveränität als Bestandteil der Cloud-Strategie
Cloud-Projekte werden künftig nicht mehr ausschließlich anhand von Funktionalität, Kosten oder Skalierbarkeit bewertet werden. Die Fähigkeit, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig Innovationspotenziale zu nutzen, entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Unternehmen sollten deshalb ihre Cloud-Strategie regelmäßig überprüfen und insbesondere bei geschäftskritischen Service-Plattformen die Themen Datenhoheit, Compliance und Betriebsmodell frühzeitig berücksichtigen. Dies gilt nicht nur für die IT, sondern zunehmend für alle Unternehmensbereiche, die ihre Services über Enterprise-Service-Management-Plattformen digital bereitstellen. Denn moderne Cloud-Lösungen entfalten ihren vollen Nutzen erst dann, wenn Innovation, digitale Souveränität und unternehmensweite Serviceprozesse gemeinsam gedacht werden.
Weitere Informationen:
Lünendonk-Studie „Digitale Souveränität – Vom Risiko zur Resilienz“
Enterprise Service Management
Cloud Strategy