18.08.2026
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Data & AI

Von Kennzahlen zu Entscheidungen: Die nächste Evolutionsstufe der Informationsverteilung in Unternehmen

Unternehmen messen heute nahezu alles. Auslastungen, Projektkennzahlen, Umsätze, Margen oder Forecasts stehen in Dashboards und Reports jederzeit zur Verfügung. Trotzdem kämpfen viele Führungskräfte mit einem Mangel an Orientierung. Der Grund dafür ist selten fehlende Transparenz. Viel häufiger fehlt die Zeit, Daten zu analysieren, Entwicklungen einzuordnen und daraus die richtigen Entscheidungen abzuleiten. Genau an dieser Stelle verändert Künstliche Intelligenz die Spielregeln der Informationsverteilung in Unternehmen.

Stefan Litzki
Vice President Group Planning & Reporting

Key Takeaways

  • Die größte Herausforderung ist oft nicht die Datenerhebung, sondern die Interpretation der Ergebnisse.
  • Führungskräfte benötigen keine weiteren Kennzahlen, sondern eine schnelle Einordnung relevanter Entwicklungen.
  • Generative KI kann dabei helfen, komplexe Daten verständlich aufzubereiten und Handlungsspielräume sichtbar zu machen.
  • Mit Kompass hat Materna eine Lösung entwickelt, die Daten automatisiert kommentiert und zielgerichtet verteilt.

Warum Reporting häufig an der Interpretation scheitert

In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen erhebliche Investitionen in Datenplattformen, Analytics-Lösungen und Business Intelligence getätigt. Die gute Nachricht: Transparenz ist heute in vielen Bereichen keine technische Herausforderung mehr. Kennzahlen stehen zur Verfügung, Dashboards lassen sich nahezu in Echtzeit aktualisieren und Informationen aus unterschiedlichsten Quellen zusammenführen.

Doch mit dem Erfolg dieser Entwicklung entsteht ein neues Problem. Je mehr Daten verfügbar sind, desto schwieriger wird es, den Überblick zu behalten. Viele Führungskräfte starten ihren Arbeitstag nicht mit einem Dashboard, sondern mit Meetings, E-Mails, Abstimmungen und operativen Entscheidungen. Die relevanten Informationen sind zwar vorhanden, jedoch fehlt häufig die Zeit, diese zu analysieren, zu bewerten und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.

Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung moderner Reporting-Prozesse. Kennzahlen schaffen Transparenz, treffen jedoch keine Entscheidungen. Erst durch die richtige Einordnung werden aus Zahlen relevante Erkenntnisse und aus Erkenntnissen konkrete Handlungsoptionen. Diese Einordnung erfolgt in vielen Unternehmen noch immer manuell. Berichte werden analysiert, Auffälligkeiten bewertet, Kommentare formuliert und Ergebnisse für unterschiedliche Zielgruppen aufbereitet. Denn was für das Controlling relevant ist, muss nicht automatisch für eine Führungskraft entscheidungsrelevant sein.

Gleichzeitig nimmt die Komplexität weiter zu. Daten stammen aus immer mehr Systemen, Geschäftsmodelle verändern sich schneller und wirtschaftliche Rahmenbedingungen werden volatiler. Dadurch wächst der Bedarf an verständlicher Orientierung. Die zentrale Aufgabe besteht deshalb heute nicht mehr allein darin, Informationen bereitzustellen. Viel wichtiger ist es, die richtigen Erkenntnisse zur richtigen Zeit an die richtigen Personen zu bringen.

Warum KI die Informationsverteilung grundlegend verändern kann

Die Diskussion über Generative KI konzentriert sich häufig auf Chatbots oder intelligente Suchfunktionen. Doch gerade im Reporting liegt ein weiteres, oft unterschätztes Potenzial.

KI kann Informationen nicht nur finden, sondern auch verdichten, strukturieren und verständlich formulieren. Darüber hinaus ist sie in der Lage, große Datenmengen zu analysieren, Auffälligkeiten zu erkennen, Entwicklungen einzuordnen und daraus konkrete Handlungsimpulse abzuleiten. Damit entsteht die Möglichkeit, Reporting um zusätzliche Ebenen zu erweitern: von der reinen Darstellung von Kennzahlen hin zur automatisierten Interpretation, Entscheidungsunterstützung und sogar Handlungsvorschlägen.

Statt umfangreiche Tabellen lesen und Entwicklungen selbst identifizieren zu müssen, erhalten Nutzerinnen und Nutzer eine verständliche Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse. Auffälligkeiten werden sichtbar gemacht und relevante Informationen priorisiert. Reporting beantwortet damit nicht mehr nur die Frage, was passiert ist, sondern unterstützt auch dabei zu verstehen, warum eine Entwicklung relevant ist und wo Handlungsbedarf besteht.

Erkenntnisse können automatisiert zielgruppengerecht aufbereitet und allen relevanten Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt werden. Was bislang häufig manuell kommentiert, abgestimmt und verteilt werden musste, lässt sich dadurch deutlich skalieren. Fachliche Einordnungen erreichen nicht nur einzelne Empfängergruppen, sondern können konsistent und mit geringem Aufwand im gesamten Unternehmen bereitgestellt werden.

Dadurch verschiebt sich der Fokus. Weniger Zeit fließt in die Auswertung von Zahlen, mehr Zeit steht für die eigentliche Aufgabe zur Verfügung: Entscheidungen treffen. KI ersetzt dabei nicht die fachliche Expertise von Controlling oder Management, sondern verstärkt deren Wirkung. Sie hilft dabei, relevantes Wissen schneller verfügbar zu machen, Orientierung zu schaffen und sicherzustellen, dass wichtige Erkenntnisse dort ankommen, wo auf ihrer Grundlage Entscheidungen getroffen werden.

Wie aus einem Reporting-Problem die Idee für Kompass entstand

Auch bei Materna stellte sich die Frage, wie sich die Informationsversorgung von Führungskräften verbessern lässt. Im Controlling standen zahlreiche Steuerungsinformationen zur Verfügung. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Interpretation und Kommunikation dieser Informationen einen erheblichen Aufwand verursacht.

Aus dieser Herausforderung entstand Kompass – der Kommentierungs- und Performanceassistent.

Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Statt Kennzahlen lediglich bereitzustellen, werden sie automatisiert analysiert, kommentiert und in verständliche Sprache übersetzt. Grundlage sind strukturierte Daten aus dem bestehenden Reporting- und BI-Umfeld. Auf dieser Basis erstellt die Lösung kurze Erläuterungen und Handlungshinweise für definierte Zielgruppen.

Führungskräfte erhalten dadurch nicht nur Zahlen, sondern direkt eine Einschätzung der relevanten Entwicklungen. Informationen gelangen dorthin, wo sie benötigt werden, ohne dass zuerst umfangreiche Reports analysiert werden müssen.

Was wir bei der Entwicklung gelernt haben

Die Einführung von KI im Reporting ist jedoch nicht allein eine technologische Herausforderung. Entscheidend sind vor allem die fachlichen Rahmenbedingungen.

Eine zentrale Erkenntnis aus dem Projekt ist, dass gute Ergebnisse nicht allein durch leistungsfähige Sprachmodelle entstehen. Ebenso wichtig sind qualitativ hochwertige Daten, klare Regeln für die Interpretation und nachvollziehbare Prozesse. Denn die Qualität der Ergebnisse kann nur so gut sein wie die Qualität der zugrunde liegenden Informationen.

Besonders im Reporting spielt dieser Aspekt eine entscheidende Rolle. Anwenderinnen und Anwender müssen darauf vertrauen können, dass bereitgestellte Informationen belastbar und fachlich korrekt sind. Dieses Vertrauen entsteht nicht durch die KI selbst, sondern durch eine verlässliche Datenbasis und klar definierte fachliche Leitplanken.

Deshalb ersetzt Kompass keine fachliche Expertise. Vielmehr unterstützt die Lösung dabei, vorhandenes Wissen schneller und konsistenter bereitzustellen. Die fachliche Verantwortung bleibt dabei weiterhin bei den Expertinnen und Experten, die die Daten, Kennzahlen und Zusammenhänge im Unternehmen verstehen und einordnen können.

Damit verändert sich auch die Rolle der KI. Sie wird nicht zum Entscheider, sondern zum Assistenten. Sie übernimmt Routineaufgaben der Analyse und Aufbereitung, während die Verantwortung für die Bewertung und Ableitung von Maßnahmen weiterhin bei den Fachbereichen und Führungskräften liegt. So entsteht ein Zusammenspiel aus menschlicher Expertise, vertrauenswürdigen Daten und KI-gestützter Unterstützung, das die Qualität und Reichweite von Reporting nachhaltig verbessern kann.

Die Zukunft gehört kontextfähigen Systemen

Kompass ist ein Beispiel für eine Entwicklung, die weit über das klassische Reporting hinausgeht. Künftig werden Unternehmen immer stärker auf Systeme setzen, die Informationen nicht nur bereitstellen, sondern im richtigen Kontext aufbereiten.

Der Mehrwert entsteht dann nicht mehr allein durch Transparenz, sondern durch Orientierung. Gerade in einer Zeit wachsender Datenmengen wird die Fähigkeit relevante Informationen zu priorisieren und verständlich zu kommunizieren, zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Die nächste Evolutionsstufe der Informationsverteilung besteht deshalb nicht in noch mehr Dashboards oder zusätzlichen Kennzahlen. Sie liegt in der intelligenten Verbindung von Daten, Fachwissen und Künstlicher Intelligenz.

Fazit

Moderne Unternehmen verfügen über ausreichend Daten. Was häufig fehlt, ist eine effiziente Möglichkeit, daraus schnell die richtigen Erkenntnisse abzuleiten. Die größte Herausforderung liegt längst nicht mehr im Zugang zu Informationen, sondern in ihrer Interpretation.

Mit Kompass hat Materna gezeigt, wie KI genau an dieser Stelle unterstützen kann. Die Lösung macht aus Kennzahlen verständliche Orientierung und aus Reporting einen aktiven Beitrag zur Entscheidungsfindung. Damit wird deutlich, wohin sich Informationsverteilung in den kommenden Jahren entwickeln könnte: weg von der reinen Informationsbereitstellung, hin zu echter Entscheidungsunterstützung.

Stefan Litzki
Vice President Group Planning & Reporting

Stefan Litzki ist Vice President im Bereich Group Planning & Reporting bei. In seiner Rolle beschäftigt er sich mit der strategischen Unternehmenssteuerung, dem Reporting sowie der Weiterentwicklung datenbasierter Prozesse.