15.09.2026
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Data & AI
Verkehr und Mobilität

Vom Volksfest in Informationsdienste: Wie kommunale Mobilitätsdaten verlässlich in Portale, Auskunftssysteme und Routingdienste gelangen

Ob Stadtfest, Baustelle, Sperrung oder neue Parkregelung: Kommunen erzeugen täglich Mobilitätsdaten, die für Bürgerinnen und Bürger, Verkehrsunternehmen und Routingdienste relevant sind. Doch zwischen der Erfassung dieser Informationen und ihrer Nutzung in Auskunftssystemen liegen oft zahlreiche technische Hürden. Eine zentrale Mobilitätsdatenplattform kann diesen Prozess vereinfachen. Sie sorgt dafür, dass Informationen standardisiert bereitgestellt, verarbeitet und übergreifend nutzbar werden. So entstehen die Grundlagen für eine moderne Verkehrssteuerung und bessere Mobilitätsservices. Basierend auf den Erfahrungen aus der MOBIDROM Datenplattform in Nordrhein-Westfalen zeigt dieser Beitrag, wie Kommunen ihre Daten effizient in digitale Informationsdienste bringen können.

Jan von Dombois
Account-Manager

Key Takeaways

  • Mobilitätsdaten entfalten ihren vollen Nutzen erst, wenn sie standardisiert und qualitätsgesichert bereitgestellt werden.
  • Kommunen stehen zunehmend vor der Aufgabe, verkehrsrelevante Informationen digital verfügbar zu machen.
  • Zentrale Datenplattformen reduzieren Integrationsaufwände und schaffen einheitliche Schnittstellen.
  • Verkehrsmanagement, Routingdienste und Auskunftsportale profitieren von konsistenten statischen und dynamischen Informationen.
  • Qualitativ hochwertige Daten sind eine wesentliche Grundlage für zukünftige KI-gestützte Mobilitätsservices.

Wenn das Volksfest den Verkehr verändert

Jedes größere Ereignis verändert Verkehrsströme. Ein Volksfest, ein Bundesligaspiel oder ein Stadtlauf führen zu Straßensperrungen, Umleitungen, temporären Halteverboten und veränderten ÖPNV-Angeboten. Damit diese Änderungen auch in digitalen Auskunfts- und Navigationsdiensten berücksichtigt werden können, müssen sie zuverlässig in den entsprechenden Systemen verfügbar sein. Nur wenn beispielsweise eine temporäre Sperrung digital verfügbar ist und von den jeweiligen Diensten verarbeitet werden kann, lässt sie sich auch bei Routenempfehlungen oder Verkehrsinformationen berücksichtigen.

In der Praxis erfolgt dieser Datenaustausch häufig noch über verschiedene Kanäle und Formate. Medienbrüche und unterschiedliche Datenstände bedeuten in der Folge einen hohen manuellen Aufwand. Gleichzeitig erwarten Bürgerinnen und Bürger, dass Navigationsdienste und Auskunftsportale jederzeit aktuelle Informationen liefern. Für Kommunen wird es deshalb immer wichtiger, Mobilitätsdaten strukturiert bereitzustellen und effizient weiterzugeben.

Von der Datenerfassung zur digitalen Wertschöpfung

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, Daten zu erzeugen. Verkehrsbehörden, Tiefbauämter und Leitstellen verfügen bereits über umfangreiche Informationen zu Baustellen, Verkehrsführungen, Sperrungen oder Parkrauminfrastrukturen. Entscheidend ist vielmehr, diese Daten in einer Form bereitzustellen, die von unterschiedlichen Anwendungen verarbeitet werden kann.

Denn Mobilitätsdaten entstehen in sehr unterschiedlichen fachlichen Kontexten. Informationen zu einer Baustelle haben andere Strukturen als Fahrplandaten, Angaben zu Sharing-Fahrzeugen oder Informationen über freie Parkplätze. Für eine übergreifende Nutzung müssen diese Daten deshalb nicht zwangsläufig in ein einziges Format gebracht werden. Vielmehr kommt es darauf an, für die jeweiligen Datenarten etablierte Standards und klar definierte Schnittstellen zu nutzen.

Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeigt die MOBIDROM Datenplattform in Nordrhein-Westfalen. Hier werden Mobilitätsdaten aus unterschiedlichen Quellen zentral zusammengeführt, harmonisiert und über standardisierte Schnittstellen bereitgestellt. Dabei unterstützt die Plattform verschiedene etablierte Standards, darunter DATEX II, GTFS, GTFS-RT, GBFS und MDS.

Diese Standards decken unterschiedliche Bereiche der Mobilität ab: DATEX II wird beispielsweise für Straßenverkehrsdaten wie Baustellen, Sperrungen, temporäre Verkehrsbeschränkungen oder Parkinformationen eingesetzt. GTFS dient insbesondere der Bereitstellung statischer ÖPNV-Daten wie Fahrplänen, während GTFS-RT Echtzeitinformationen beispielsweise zu Verspätungen, Ausfällen oder geänderten Routen ergänzt. GBFS ermöglicht den standardisierten Austausch von Informationen aus der Shared Mobility, etwa zu verfügbaren Fahrrädern oder E-Scootern. MDS wiederum unterstützt unter anderem den Datenaustausch zwischen Kommunen und Sharing-Anbietern, beispielsweise bei der Kommunikation kommunaler Gebots- und Verbotszonen.

Das Beispiel der MOBIDROM Datenplattform verdeutlicht, welchen Beitrag gemeinsame Datenstandards und zentrale Plattformen leisten können, um den Austausch zwischen Kommunen, Verkehrsunternehmen und digitalen Mobilitätsdiensten deutlich zu vereinfachen.

Warum Datenqualität über den Erfolg entscheidet

Die Verkehrssteuerung kann nur so gut sein, wie die Daten, auf denen sie basiert. Fehlerhafte Angaben oder veraltete Informationen können direkte Auswirkungen auf Verkehrsflüsse und die Nutzererfahrung haben.

Deshalb gewinnt die Qualitätssicherung von Mobilitätsdaten zunehmend an Bedeutung. Moderne Plattformen bieten heute Funktionen zur Validierung und Transformation von Daten, bevor sie katalogisiert über Schnittstellen bereitgestellt werden. Welche Prüfungen möglich sind, hängt vom jeweiligen Datenformat und der angebundenen Quelle ab – so kann langfristig aber auch die Datenqualität erhöht werden. Für Kommunen bedeutet das geringeren manuellen Prüfaufwand und gleichzeitig eine höhere Verlässlichkeit der bereitgestellten Informationen.

Mehrwert für Kommunen und Verkehrsmanagement

Der Nutzen beschränkt sich nicht auf die Bereitstellung von Daten für externe Dienste. Auch innerhalb von Kommunen kann eine gemeinsame Datengrundlage neue Möglichkeiten eröffnen, Mobilitätskonzepte und die dafür benötigte Infrastrukturplanung zu optimieren. Eine geeignete Datenqualität bildet dafür eine wichtige Grundlage. Durch die gemeinsame Bereitstellung und strukturierte Aufbereitung können Daten besser miteinander verglichen, verknüpft und für weitere Analysen genutzt werden. Zusätzliche Erkenntnisse entstehen insbesondere durch die Ableitung neuer Informationen, den Abgleich verschiedener Datenquellen und die fachliche Bewertung der Ergebnisse.

Dadurch entstehen neue Anwendungsfälle: von der intermodalen Reiseplanung über die Bewertung von Verkehrsmaßnahmen bis hin zur intelligenten Steuerung von Mobilitätsangeboten. Gleichzeitig kann der Aufwand für die Anbindung neuer Anwendungen sinken, da einmal bereitgestellte Daten mehrfach genutzt werden können. Ob und wie diese Wiederverwendung erfolgt, hängt jedoch vom jeweiligen Datensatz, den Zugriffsbedingungen und dem konkreten Anwendungsszenario ab. 

Die Grundlage für die Mobilitätsdienste von morgen

Mit der zunehmenden Digitalisierung des Verkehrs steigen auch die Anforderungen an Datenverfügbarkeit und Interoperabilität. Vernetzte Verkehrssysteme, digitale Zwillinge von Infrastrukturen und KI-gestützte Analysen benötigen aktuelle, hochwertige und standardisierte Informationen.

Zentrale Mobilitätsdatenplattformen schaffen die technische Basis für den Austausch und den Nutzen von Mobilitätsdaten. Sie verbinden unterschiedliche Akteure und ermöglichen die Einbindung weiterer Datenquellen in Informations- und Routingdienste. Sie lösen damit nicht automatisch alle Herausforderungen der Mobilitätsdigitalisierung. Sie schaffen aber die Voraussetzungen dafür, Daten systematisch verfügbar zu machen, Standards zu etablieren und unterschiedliche Informationsangebote miteinander zu vernetzen.

Aus einzelnen kommunalen Datensätzen werden so vernetzte Informationsangebote, die Bürgerinnen und Bürgern, Verkehrsunternehmen und Behörden gleichermaßen zugutekommen. Genau hier schließt sich der Kreis zum Volksfest: Wird die dazugehörige Sperrung frühzeitig, strukturiert und in geeigneter Qualität digital bereitgestellt, kann sie von verschiedenen Diensten übernommen und bei der Mobilitätsplanung berücksichtigt werden. Aus einer lokalen Information wird so ein Datensatz, der in unterschiedlichen digitalen Services Wirkung entfalten kann.

Jan von Dombois
Account-Manager

Jan von Dombois arbeitet als Account-Manager im Bereich Transport & Mobilität bei Materna.