Dortmund
08.07.2025
Short News
Cyber Security

Wenn der Ernstfall eintritt: Mit Resilienz zurück zum Normalbetrieb

Ob Flut, Cyber-Attacke oder Krieg – auch im Ernstfall müssen Unternehmen und Verwaltung funktionieren. Wie sie diese Resilienz erreichen können, diskutierten Experten beim ersten Resilienztag auf Einladung der beiden IT-Dienstleister Materna und Infora sowie der IHK zu Dortmund und der Handwerkskammer Dortmund.

„Resilienz bedeutet nicht, Krisen zu verhindern, sondern schnell aus der Chaosphase herauszufinden und den Normalbetrieb wieder aufnehmen zu können“, erläuterte Oberst i.G. Armin Schaus, der im Operativen Führungskommando der Bundeswehr die Abteilung für zivil-militärische Zusammenarbeit leitet. Wie Unternehmen und Verwaltung diese Fähigkeit erlangen, darum ging es beim Resilienztag 2025 im Headquarter des Dortmunder IT-Dienstleisters Materna.

Materna-CEO Michael Hagedorn setzte den Rahmen der Veranstaltung: „Wir sind abhängig von US-amerikanischen Dienstleistern, und Regelungen wie die DSGVO und der EU Data Act machen es schwierig, Infrastruktur und Lieferketten resilient zu gestalten.“ Unternehmen, so Hagedorn, müssten „voneinander lernen und gemeinsam Ideen entwickeln und Erfahrungen austauschen.“ Zwar probten viele den Ernstfall in Form von Planspielen, „aber wenn etwas passiert, lernt man, dass Planspiele oftmals an der Realität vorbeigehen.“ Wie die Realität aussieht, weiß Oberst Schaus, der bereits Einsätze im Kosovo sowie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal und bei Waldbränden hinter sich hat. Die Bundeswehr sei zwar häufig im Katastropheneinsatz, doch sei das nicht ihre wesentliche Aufgabe, so Schaus. Spätestens seit dem Einmarsch Russlands auf die Ukraine sei die Landesverteidigung wieder im Fokus – und das an mehreren Fronten. 

„Wir stehen einer hybriden Bedrohungslage aus Desinformation, Cyberangriffen, Spionage und Sabotage gegenüber“, so Schaus. Allein die Bundeswehr wehre täglich rund 100.000 Cyberangriffe ab. Um effizienter auf Attacken reagieren zu können, mahnt der Oberst zu klareren Strukturen und Zuständigkeiten. Allzu oft gehe im Wirrwarr der Zuständigkeiten wertvolle Zeit verloren.

„Wir sind definitiv nicht cyberverteidigungsbereit“, bringt es Andreas Könen auf den Punkt, ehemals Abteilungsleiter Cyber- und IT-Sicherheit im Bundesinnenministerium. Vertraulichkeit, Verfügbarkeit, Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit seien im Angesicht vielfältiger Bedrohungen von außen gefährdet: „Der digitale Raum ist für die Verbreitung von Desinformation prädestiniert.“ 

Lösungsansätze präsentierten Vertreter der Wirtschaft und Generalleutnant a. D. Martin Schelleis, der inzwischen für das Malteser Hilfswerk die Themen Krisenresilienz und zivil-militärische Zusammenarbeit betreut.

Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund wies darauf hin, dass die Wirtschaft in den vergangenen Jahren bereits gelernt habe, flexibel auf Krisen zu reagieren: „Brexit, Corona oder ein querliegendes Schiff im Suezkanal – Unternehmen haben begriffen, dass Nachhaltigkeit auch Resilienz bedeutet.“ Die IHK, so Ehrich, arbeite daran, Netzwerke zu knüpfen und die Mitgliedsunternehmen in Richtung Resilienz zu beraten.

Generalleutnant a. D. Schelleis wiederum setzt unter anderem auf die Vorteile der arbeitsteiligen Gesellschaft, denn so könne jeder seine Stärken einbringen. Aber: „Wir dürfen nicht auf Vorgaben aus der Politik warten, sondern müssen als Betroffene aktiv werden und Netzwerke knüpfen“, so Schelleis‘ Appell.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal für das Thema Landesverteidigung zuständig sein werde“, gab Dr. Christian Terton vom Zentralverband des Deutschen Handwerks zu. Er sehe „Regionalität und Kleinteiligkeit“ als Stärken des Handwerks. Denn durch die Vielzahl und Vielfalt an Handwerksbetrieben, sei es möglich, die Versorgung der Bevölkerung dezentral zu sichern. Allerdings, so Terton, könne dann das Personal dieser oftmals kleinen Betriebe nicht zu anderen Einsätzen abgezogen werden.

Dem stimmte Schelleis zu und plädierte dafür, beispielsweise Ehrenamtler, die sich in verschiedenen Organisationen engagieren, aber auch einen systemrelevanten Beruf haben, dort einzusetzen, wo sie den größten Beitrag leisten können.

Carsten Krinke, Mit-Organisator des Resilienztags, zog ein positives Fazit: “Als Familienunternehmen versteht sich die Materna-Gruppe als Teil der Gesellschaft und möchte mit solchen Veranstaltungen aktiv zur Stärkung der Gesellschaft beitragen. Unternehmen und Behörden müssen eigenständig Risiken erkennen und Vorsorgemaßnahmen treffen, um auch im Krisenfall handlungsfähig zu bleiben. Nur gemeinsam entsteht ein starkes, synergetisches Netzwerk. Mit dem Resilienztag wollten wir genau das fördern: den Austausch von Best Practices und Erfahrungen. Ich denke, das ist uns gelungen.” 
 

Resilienztag in Dortmund vom 1. Juli 2025 

Über Materna

Die Materna-Gruppe realisiert nachhaltige IT- und Digitalisierungsprojekte für Kunden aus Konzernen, Mittelstand und Behörden. Materna erwirtschaftete im Jahr 2024 mit weltweit rund 4.500 Mitarbeitenden einen Umsatz von 712 Millionen Euro. Know-how und Kompetenzen sind in vier Strategiefeldern gebündelt: Platform-based Transformation, Human x Digital, Artificial Intelligence und Business Resilience. Plattformen bilden das Herzstück der Digitalisierung und vernetzen Daten, Prozesse und Services für mehr Agilität und Skalierbarkeit. Human x Digital steht für Technologien, die den Menschen stärken, intuitive Interaktionen ermöglichen und Arbeit effizienter machen. Mit Künstlicher Intelligenz ermöglicht Materna automatisierte Prozesse, datengetriebene Entscheidungen und innovative Geschäftsmodelle. Mit einer umfassenden Resilient Cloud Strategy hilft Materna Unternehmen, Bedrohungen wirkungsvoll zu begegnen, Cyber-Sicherheit zu gewährleisten und langfristige Stabilität sowie digitale Souveränität zu sichern.

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Sascha Rentzing
Head of Corporate Communications & Content Marketing