Erst testen, dann entscheiden

Wie treffen Führungskräfte bessere Entscheidungen unter Komplexität?

Corporate Twins - Der Flugsimulator für den CEO von morgen

Bevor Piloten erstmals ein Flugzeug mit Passagieren steuern dürfen, verbringen sie viele Stunden im Simulator und später auf Übungsflügen ohne Passagiere. Kein Wunder: Ein Anfängerfehler im Cockpit hätte schließlich verheerende Folgen. 

Auch im Management können falsche Entscheidungen erhebliche Schäden auslösen: für Mitarbeitende, Kunden, Lieferketten, das Unternehmen selbst oder die Umwelt. Nur sieht man den Absturz oft nicht sofort. Er versteckt sich als Sinkflug in Quartalszahlen oder lässt sich durch Umstrukturierungen oder Stellenabbau kaschieren. 

Wie wäre es aber, wenn sich solche Fehlentscheidungen verhindern ließen, wenn es einen digitalen Zwilling des Unternehmens als Flugsimulator für Entscheiderinnen und Entscheider gäbe? An einem solchen Modell könnten Führungskräfte ihre Entscheidungen auf mögliche Konsequenzen prüfen. 

Bisher scheiterten digitale Zwillinge dieser Art an der Komplexität moderner Organisationen. Ein Unternehmen ist schließlich keine Maschine, sondern ein sehr komplexes Geflecht aus Prozessen, Systemen, Menschen, Gewohnheiten, informellen Absprachen und regulatorischen Anforderungen. 

Key Facts auf einen Blick

  • Corporate Twins simulieren mögliche Folgen von Entscheidungen – bevor sie in der Realität wirksam werden.
  • Sie verbinden Daten, Prozesse und Abhängigkeiten zu einem digitalen Modell der Organisation.
  • Simulation ersetzt kein Führungsurteil, macht Entscheidungen aber fundierter und nachvollziehbarer.
  • Voraussetzung ist Transparenz über Prozesse, Datenflüsse, Systeme und kritische Wechselwirkungen.
  • Organisationen können schrittweise starten – etwa mit einem Prozess, einer Lieferkette oder einem KRITIS-Szenario.

Der digitale Zwilling des Unternehmens

In der Industrie sind digitale Zwillinge längst keine Zukunftsvision mehr. Sie bilden Maschinen, Anlagen, Gebäude, Netze oder Lieferketten ab. Sie helfen, Wartungsintervalle zu planen, Störungen vorherzusagen und Abläufe zu optimieren. 

Ein Corporate Twin bildet hingegen die Organisation als Ganzes ab. Er verbindet Daten aus Prozessen, IT-Systemen, Wertschöpfungsketten, Personalstrukturen, Kundeninteraktionen, Finanzdaten, Compliance-Vorgaben, Mitbestimmung, Sicherheitsarchitekturen und externen Faktoren miteinander und schafft damit ein komplexes Geflecht aus Abhängigkeiten. 

Was passiert, wenn ein Unternehmen eine Abteilung umstrukturiert? Welche Folgen hat eine neue Cloud-Strategie? Wie verändert KI den Personalbedarf in einem Kernprozess? Welche Risiken entstehen, wenn ein kritischer Dienstleister ausfällt? Welche Nebenwirkungen hat eine Sparmaßnahme auf Resilienz, Qualität und Kundenzufriedenheit? 

Heute werden solche Fragen oft mit Erfahrung, Reports, Workshops und Bauchgefühl beantwortet. Das hat lange gereicht, weil es reichen musste. Für die nächste Komplexitätsstufe reicht das nicht mehr. 

Simulation ersetzt kein Urteil, aber sie verbessert es

Der Corporate Twin wird nicht die eine richtige Entscheidung ausspucken wie ein Fahrkartenautomat mit MBA. Aber er kann aber Zusammenhänge sichtbar machen, die in klassischen Planungsmodellen untergehen. 

Er kann Szenarien vergleichen, Abhängigkeiten offenlegen und zeigen, wo eine Entscheidung Wirkung entfaltet. Das wird durch Rechenleistung, KI, Datenplattformen und Simulation künftig realistischer. Was gestern vor allem für physische Anlagen möglich war, wird zunehmend für organisatorische Systeme denkbar. Unternehmen können dann nicht nur fragen: „Was ist passiert?“ Oder: „Was passiert gerade?“ Sondern: „Was könnte passieren, wenn wir so entscheiden?“ 

Das verändert Führung grundlegend. Es macht sie transparent und nachvollziehbar und stellt Entscheidungen auf eine solide und nachvollziehbare Basis.

Wer simulieren will, muss seine Organisation kennen

Die eigentliche Voraussetzung ist allerdings unbequem: Wer einen digitalen Zwilling aufbauen will, muss seine Organisation kennen. Und zwar nicht nur als Organigramm, sondern in möglichst allen Facetten. 

Ein Corporate Twin braucht eine möglichst vollständige Datenbasis. Er braucht ein Verständnis für Prozesse, Schattenprozesse, Abhängigkeiten und ebenso über all die menschlichen Dinge, die aus einer Organisation einen Organismus machen: Befindlichkeiten, Gewohnheiten, Sympathien, Antipathien, Eitelkeiten. 

Es ist wie bei Klimamodellen: Je mehr relevante Informationen einfließen und je höher die Auflösung ist, desto genauer werden die Prognosen. Wer nur grobe Durchschnittswerte kennt, bekommt grobe Antworten. Wer seine Organisation jedoch präzise vermisst, kann präziser simulieren und somit auch besser steuern.

Daten, Prozesse, Abhängigkeiten sichtbar machen

Organisationen brauchen Unterstützung bei der Analyse ihrer Daten, Abläufe und Abhängigkeiten. Sie brauchen Methoden, um komplexe IT- und Prozesslandschaften sichtbar zu machen. Sie brauchen Datenstrategien, Architekturkompetenz, KI-Know-how und ein realistisches Verständnis dafür, was sich sinnvoll modellieren lässt. 

Der erste Corporate Twin muss nicht sofort das gesamte Unternehmen abbilden. Er kann mit einem kritischen Prozess beginnen: einer Lieferkette, einem Genehmigungsverfahren, einem Kundenservice, einer IT-Architektur, einem KRITIS-Szenario oder einer Abteilung oder einem Pilot-Team. Entscheidend ist, dass Organisationen anfangen, ihre Wirklichkeit modellierbar zu machen.

Fazit: Raus aus dem Blindflug

Der Corporate Twin ersetzt keine Verantwortung. Im Gegenteil: Er macht Verantwortung konkreter.  

Unternehmen sollten jetzt beginnen, ihre Prozesse, Datenflüsse, Systemabhängigkeiten und kritischen Entscheidungsketten zu erfassen und so eine Basis für bessere Entscheidungen zu legen. 

Wer heute seine Organisation versteht, kann sie morgen simulieren. Wer sie simulieren kann, kann Risiken früher erkennen. Und wer Risiken früher erkennt, führt nicht mehr im Blindflug.

Sprechen Sie uns gerne an.

Wir unterstützen Sie dabei, aus Zukunftsfragen konkrete Handlungsfelder zu machen.

Portrait vom Ansprechpartner Thomas Feld

Thomas Feld
Vice President Data Economics und AI