Online-Antrag für Führungszeugnisse und Auskünfte aus dem Gewerbezentralregister

Ausgangslage

Das E-Government-Gesetz von Juli 2013 ebnet den Weg für eine umfassende Verwaltungsmodernisierung. Ein wesentliches Ziel ist es, die elektronische Kommunikation zwischen Bürger und Verwaltung zu erleichtern und Bund, Ländern und Kommunen zu ermöglichen, nutzerfreundlichere und effizientere elektronische Verwaltungsdienste anzubieten. Auch das Bundeszentralregistergesetz (BZRG) wurde dahingehend geändert, dass die Justiz eine zentrale Leistung über elektronische Kommunikationswege abwickeln kann: das Online-Verfahren für die Beantragung eines Führungszeugnisses. Ein Führungszeugnis kann demnach entweder auf dem klassischen Weg über die Meldebehörde oder online direkt über das BfJ beantragt werden.

Um Bürgern und Organisationen die Beantragung von Führungszeugnissen und Auskünften aus dem Gewerbezentralregister online zu ermöglichen, setzte das BfJ bereits im April 2013 ein Projekt auf. Zugleich wollte die Bundesbehörde auch die internen Prozesse zur Antragsprüfung elektronisch abbilden. Für die Kommunikation mit dem Antragsteller entschied sich das BfJ für das Formular-Management-System von Lucom, das über das gewünschte Look & Feel verfügte und bereits in anderen Bereichen erfolgreich eingesetzt wurde. Ziel ist es, dass ein Großteil der 10.000-15.000 Anträge, die täglich beim BfJ eingehen, elektronisch beantragt wird.

Realisierung

Materna hat das BfJ dabei unterstützt, einen kompletten Prozess von der Beantragung eines Führungszeugnisses und Auskünften aus dem Gewerbezentralregister bis zur Beauskunftung elektronisch abzubilden.

In einer Reihe von Workshops erarbeitete Materna zusammen mit dem BfJ die genauen Anforderungen und beschrieb die komplexen Prozesse so, dass sie mit dem Formular-Management-System Lucom Interaction Platform® umgesetzt werden konnten. Über eine zentrale Internet-Seite stellen Bürger und Unternehmen ihren Antrag direkt beim BfJ. Die zur Authentisierung erforderlichen Daten werden über ein Kartenlesegerät aus dem elektronischen Personalausweis (nPa) oder dem elektronischen Aufenthaltstitel (eAT) ausgelesen. Lucom erweiterte die Interaction Platform so, dass die neue AusweisApp2 des Bundes für die Authentisierung eingesetzt werden kann. Damit ist ein sicheres Auslesen der Daten aus dem Personalausweis gewährleistet. Sind spezielle Anlagen und Nachweise gefordert, kann der Nutzer diese direkt im Antragsformular hochladen, während der Prüfer beim BfJ auf einen Blick gelieferte und fehlende Unterlagen erfassen kann. Von Vorteil ist es, wenn der Antragsteller das optionale Benutzerkonto anlegt: Darüber können Antragsteller und Bearbeiter direkt kommunizieren und fehlende Nachweise schnell und unkompliziert nachgereicht werden. Anschließend muss der Kunde eine eidesstattliche Versicherung abgeben, dass alle Anlagen korrekt sind. Danach wird er zum Bezahlvorgang weitergeleitet. Für die Erfassung der Zahlungsdaten hat Materna ebenfalls die Komponente Saferpay als Schnittstelle zu der vom BfJ vorgegebenen ePayment-Komponente ePayBL, einer Standard-Komponente des Bundes, integriert. Ist der Antrag vollständig und formal korrekt, wird er zur eigentlichen Erstellung des Führungszeugnisses oder der Auskunft aus dem Gewerbezentralregister an das jeweilige Hauptfachverfahren weitergeleitet.

Das Projekt gilt als Leuchtturm-Projekt für die elektronische Verwaltungskommunikation. Darin spielen mehrere Standard-Komponenten des Bundes zusammen, die zuvor in der Konstellation noch nicht eingesetzt wurden. In einer sehr knappen Realisierungsfrist von fünf Monaten setzte Materna die Online-Lösung um, sodass sie termingerecht am 1.9.2014 live ging. Drei Monate später gingen schon 900 Einträge über das Online-System ein. 60 Prozent der Antragsteller haben sich ein Benutzerkonto eingerichtet. Gehostet wird das System beim Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik (ZIVIT), dem zentralen IT-Dienstleister der Bundesfinanzverwaltung.